Böse Überraschungen

Böse Überraschungen

Wir hatten uns auf Tinder gematcht.

Auf seinem Profilfoto lächelte er zwar nicht richtig, nur mit geschlossenem Mund, hatte aber so niedliche Grübchen. Das gefiel mir. Wir haben dann also getextet und ein Treffen vereinbart. Er wollte sofort in ein edles Nobelrestaurant, das fand ich aber für ein erstes Treffen etwas übertrieben. Ich schlug daher vor, uns erst mal nur auf einen Kaffee zu treffen. Er war davon zwar nicht so begeistert, willigte aber nach einigem Hin und Her ein.

Wir trafen uns dann spontan nach der Arbeit. Erst mal kam er eine Viertelstunde zu spät, ohne sich zu melden. Ich wartete draußen auf ihn – es war tierisch am regnen. Als er dann endlich eintraf, erlebte ich die zweite unerfreuliche Überraschung: Er war zwei Köpfe kleiner als ich. In seinem Profil war das nicht erkennbar gewesen. Naja, ich wollte dann nicht vorschnell urteilen… Es ging aber auch schon weiter: Bei der Begrüßung durfte ich dank seines freudigen Lächelns feststellen, dass er leider nur noch sehr wenige Zähne im Mund hatte und die, die noch da waren, waren faul. Das erklärte dann wohl das verhaltene Lächeln auf seinem Profilfoto.

Naja, ich konnte ja leider nicht einfach gehen, also gingen wir rein und bestellten einen Kaffee. Als wir uns hingesetzt hatten, legte er sofort sein dickes Portemonnaie und seinen Mercedes-Schlüssel auf den Tisch. Die Körpergröße muss ja irgendwie kompensiert werden.

Er erzählte mir dann auch sofort von seiner Selbstständigkeit und dem vielen Geld, das er verdiene. Er sei Maskenbildner. Außerdem habe er eine Eigentumswohnung und außer seinem Mercedes noch ein weiteres Auto.

Alles klar, er hat sehr viel Geld. War angekommen. Bei mir warf das aber eigentlich nur eine Frage auf: Wieso hat er dann nicht längst mal in vernünftige Zähne investiert?! Doch das sollte ungeklärt bleiben.

Da wir uns ja spontan nach der Arbeit getroffen hatten, war es irgendwann auch recht spät und ich wollte langsam nach Hause. Ich sagte ihm also, ich müsse jetzt gehen. Beim Bezahlen wollte er dann allen Ernstes mit seiner dicken Kreditkarte zahlen. Was dummerweise nicht möglich war, weil zwei Kaffee ja nicht wirklich viel kosten. Das Ende vom Lied war also, dass ich die beiden Kaffee gezahlt habe, weil er leider kein Bargeld dabei hatte.

Er wollte mich unbedingt wiedersehen, ich habe mich aber einfach nicht mehr gemeldet.

Eingesendet von Sandra, 30