Die (vergessenen) glorreichen Sieben

Die (vergessenen) glorreichen Sieben

Die glorreichen Sieben – wahrscheinlich einer der bekanntesten Western aller Zeiten. Viel Geballer und knallharte Männlichkeit. Und Liebe. Denn die darf selbst im Wilden Westen nicht fehlen.

Hier soll es allerdings um keinen Western gehen, sondern um die vergessenen glorreichen Sieben. Was das sein soll? Die Himmlischen Tugenden. Okay, die meisten werden allein mit dem alten Wort “Tugend” nicht mehr allzu viel anfangen können. Geschweige denn mit den Himmlischen Tugenden. Also erst mal zur Bedeutung des Begriffs “Tugend” – Achtung, es wird jetzt ein bisschen sprachwissenschaftlich. Aber wirklich nur ein bisschen. Bereits im Althochdeutschen ist das Wort “tugund” bezeugt, das von “tougen”, sprich taugen, stammt und die Tauglichkeit oder Tüchtigkeit einer Person meinte. Im Mittelhochdeutschen kam dann die Bedeutung “männliche Tüchtigkeit”/”Heldentat” hinzu. Na, das hört sich doch vielversprechend an, oder, Mädels? Womit wir auch wieder beim Western wären. Im Mittelalter erhielt der Begriff dann jedoch unter dem Einfluss der Kirche eine eindeutig moralische Bedeutung und beschrieb eine sittliche Vollkommenheit (im Gegensatz zu Laster und Sünde). Nicht mehr ganz so sexy. Aber gut. Allgemein kann man Tugend als hervorragende Eigenschaft oder vorbildliche Haltung beschreiben.

So, jetzt aber. Die himmlischen Tugenden. Bei den meisten von uns wird dieser Begriff wohl nur noch ein fragendes Gesicht und ahnungsloses Schulterzucken auslösen. Bekannter sind da schon ihre Gegenstücke, die sieben “Untugenden”, oder auch “Todsünden”, die uns im Film “Sieben” mit Brad Pitt und Morgan Freeman das Fürchten lehrten. Aber damit sind wir dann auch gar nicht mehr so weit entfernt von den Himmlischen Tugenden, denn dabei handelt es sich einfach nur um das Gegenteil der berühmteren Todsünden. Hier nun also die Himmlischen Tugenden: Demut, Mildtätigkeit, Keuschheit, Geduld, Mäßigung, Wohlwollen und Fleiß. Diese wurden im Mittelalter populär und sollten zusammen mit ihren bösen Gegenstücken für die christliche Erziehung der Menschen sorgen.

Ja und? Was hat das Ganze jetzt mit Dating und Beziehungen zu tun?

Fangen wir doch einfach mal an.

  1. Demut
    Ebenfalls ein Wort, das man heute nicht mehr oft hört. Am besten lässt es sich wohl als das Gegenteil von Hochmut beschreiben. Der Demütige erkennt und akzeptiert, dass es noch jemanden oder etwas gibt, das größer und bedeutender ist als er selbst. Heißt für uns: Wir kommen nicht wie der absolute King oder aufgebrezelt wie Helene Fischer zum Date und verhalten uns, als würden wir uns selbst für den absoluten Hauptgewinn halten. Inklusive arroganten und egozentrischen Geredes über … na, was wohl … uns selbst. Nein, das wäre nicht sehr demütig. Besser ist es, wenn wir einfach ganz natürlich sind, uns nicht für den Nabel der Welt halten, sondern es vielmehr zu schätzen wissen, dass unser Gegenüber mit uns den Abend verbringt und nicht in Endlosschleife über uns und unser tolles Leben schwadronieren.
  2. Mildtätigkeit
    Und noch so ein Wort, das wohl heute wirklich niemand mehr benutzt. Den etwas neueren Begriff Wohltätigkeit dann schon eher. Aber das kennen wir dann wenn überhaupt nur von unseren schuldbewussten Spenden an Oxfam, NABU, Care oder oder oder. Wie könnten wir das in Zusammenhang mit Liebe, Beziehungen und Dating bringen? Mal sehen… Als Synonyme schlägt der Duden Barmherzigkeit, Gnade, Nachsicht und Nächstenliebe vor. Da kommen wir der Sache ja schon näher. Barmherzigkeit, Gnade und Nachsicht drücken eigentlich dasselbe aus: wir selbst sind nicht perfekt (siehe Punkt 1) und ebenso wenig ist es unser Gegenüber. Wir sollten also nicht nach Perfektion suchen, da es die sowieso nicht gibt. Und sie außerdem langweilig ist. Vielmehr sollten wir die vermeintlichen Fehler des anderen mit Gnade und Nachsicht als das anerkennen, was sie sind: Dinge, die ihn einzigartig machen. Zum Thema Nächstenliebe kommen wir im nächsten und übernächsten Punkt.
  3. Keuschheit
    Als Gegenteil von Wolllust muss man dazu wohl nicht mehr allzu viel sagen. Du musst dir zwar nicht unbedingt einen Keuschheitsgürtel umschnallen, bevor du zum Date aufbrichst, aber es sollte auch nicht dein oberstes Ziel sein, den Abend möglichst früh im Bett zu beenden.
  4. Geduld
    Womit wir bei der Geduld wären. Man sagt nicht umsonst “Geduld ist eine Tugend”. Denn Geduld ist – auch abseits des Themas Dating – eine Eigenschaft, die uns das Leben sehr viel leichter macht und es lohnt sich, sie zu trainieren. Aber zurück zum Thema: Auch wenn ihr beim dritten Date noch immer nicht im Bett gelandet seid (Unglaublich!! Dabei machen die das doch in den amerikanischen Teenie-Filmen immer so!), solltest du dich in Geduld üben und einfach die Zeit genießen, die du mit deinem Date verbringen darfst. Kommt Zeit, kommt Sex.
  5. Mäßigung
    Das böse Gegenstück ist hier die Völlerei, es geht also ums Essen. Und da man ja beim ersten Date meistens etwas essen geht… Also: Mäßige dich! Spachtel nicht alles in dich hinein, als hättest du seit Tagen nichts mehr gegessen. Das sieht erstens nicht gerade kultiviert aus geschweige denn erotisch. Um eine gepflegte Unterhaltung in Gang zu halten, ist ein solches Essverhalten auch nicht sehr förderlich. Und noch dazu könnte es im Nachhinein zu … na ja, gewissen Nebenwirkungen kommen, wenn du dich überfressen hast. Auch nicht gerade angenehm, weder für dich noch für dein Gegenüber.
  6. Wohlwollen
    Lateinisch benevolentia. Das Gute wollen, einen guten Willen haben. Hier geht es also um unseren guten Willen. Um eine gütige Haltung. Es sollte uns wichtig sein, dass der andere sich in unserer Gegenwart wohl fühlt und dafür sollten wir alles tun. Dazu gehört auch – so banal es klingen mag – die gute alte Freundlichkeit. Seid einfach nett zueinander! Und habt Verständnis für den anderen, etwa für ganz menschliche Dinge wie eine Verspätung (sofern ihr darüber informiert wurdet und der andere sich entschuldigt hat) oder kleine Schwächen wie etwa eine ausgeprägte Entscheidungsunfähigkeit, die dazu führt, dass die Bestellung im Restaurant vielleicht ein ganz kleines bisschen länger dauert… Seid nicht genervt davon, sondern unterstützt den anderen, dann wird es ganz bestimmt ein lustiger Abend.
  7. Fleiß
    “Ohne Fleiß kein Preis.” “Von nichts kommt nichts.” Diese Weisheiten haben wir wohl alle schon mehr als einmal gehört. Aber: es ist wirklich was dran. Und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zu den echten “Glorreichen Sieben” und der Sache mit den männlichen Heldentaten. Hach… Der wackere Held, der seine Herzensdame aus dem brennenden Haus rettet und… Okay, Ladies, hört auf zu träumen, wir sind im 21. Jahrhundert. Es reicht auch für euch nicht mehr, nur auf der faulen Haut zu liegen (Faulheit ist nämlich die komplementäre Todsünde!) und darauf zu warten, von eurem Prinzen errettet zu werden. Ihr müsst leider auch etwas tun, wenn ihr euren Herzbuben beeindrucken und für euch gewinnen wollt. Andere Mütter haben auch schöne Töchter.

Das waren sie also, die vergessenen glorreichen Sieben. Also: Lasst die Cowboystiefel im Schrank und besinnt euch etwas mehr auf diese weisen, alten Tugenden. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Oder wem auch immer.